Brandenburgischer Ausbildungskonsens (Fortschreibung 2018 – 2020)

Präambel

Es bleibt das Ziel aller Partner des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses, die duale betriebliche Berufsausbildung im Land Brandenburg zu stärken.

Die duale Ausbildung vermittelt Jugendlichen hochwertige berufliche Qualifikationen, ebnet ihnen den Übergang in Beschäftigung und eröffnet vielfältige berufliche Aufstiegs- und persönliche Entwicklungschancen. Sie ist auch ein sicheres Fundament für eine Arbeitswelt im digitalen Wandel. Berufliche Ausbildung sichert den Unternehmen den Fachkräftenachwuchs, der zielgerichtet für die Anforderungsniveaus der künftigen Tätigkeiten qualifiziert ist und die Entwicklungen in der Arbeitswelt meistern und aktiv mitgestalten kann.

Die beruflichen Schulen prägen gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben ganz wesentlich die Qualität der dualen Ausbildung und unterstützen die Unternehmen dabei, den künftigen Fachkräftenachwuchs zu sichern.

Die duale Berufsausbildung ist ein wichtiger Standortfaktor für die Stärke des Wirtschaftsstandortes Brandenburg. Die Partner des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses wollen die duale Ausbildung stärken, indem sie

  • die Berufs- und Studienorientierung sowie die Berufsvorbereitung weiter verbessern,
  • die Attraktivität und Qualität der betrieblichen Ausbildung erhöhen,
  • mehr Betriebe für eine Beteiligung an dualer Ausbildung gewinnen,
  • weitere betriebliche Ausbildungsplätze erschließen,
  • mehr junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung gewinnen,
  • die Zahl der vorzeitigen Lösungen von Ausbildungsverträgen weiter reduzieren.

Die Partner des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses sehen angesichts des veränderten Bildungsverhaltens junger Menschen die Notwendigkeit, ausdrücklich in der Öffentlichkeit für das attraktive und zukunftsfeste duale Ausbildungssystem zu werben. Mit der Ausbildungsoffensive „Brandenburg will Dich! Hier hat Ausbildung Zukunft.“ will das Land zusammen mit den Partnern des Ausbildungskonsenses die Ausbildungs- und Karrierechancen in Brandenburg besser sichtbar machen.

Aktuelle Herausforderungen

In Brandenburg besteht ein Passungsproblem zwischen Betrieben, die ausbilden bzw. ausbilden wollen, und Bewerberinnen und Bewerbern, die einen Ausbildungsplatz suchen. Ursache dafür sind Disparitäten zwischen Angebot und Nachfrage in den verschiedenen Brandenburger Regionen sowie zwischen den angebotenen und nachgefragten Ausbildungsberufen. Die Besetzung von Ausbildungsstellen bzw. die Entscheidung für einen bestimmten Ausbildungsberuf hängt auch von der Erreichbarkeit der Lernorte Betrieb und Berufsschule ab.

Die Digitalisierung in der Arbeitswelt beeinflusst Lerninhalte und die gesamte Berufsbildung. Ausbildungsberufe, Ausbildungsinhalte, Lern- und Lehrmethoden werden an die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt angepasst. Auf diese Anforderung reagieren die Partner und intensivieren ihre Kooperation.

Die Zahl der neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge hat sich nach Jahren des Rückgangs seit dem Jahr 2012 stabilisiert und liegt seitdem jährlich bei einer Zahl von knapp unter 9.500. Das verabredete Ziel, jährlich 10.000 Ausbildungsverträge neu abzuschließen, konnte bisher nicht erreicht werden. Wie in der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ auf Bundesebene verabredet, melden die Betriebe den Agenturen für Arbeit jedoch mehr betriebliche Ausbildungsstellen zur Besetzung.

Dabei steigen gleichzeitig die Anzahl unbesetzter Stellen und die Anzahl unversorgt gebliebener Jugendlicher. Im Ausbildungsjahr 2016/2017 blieben nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit 1.689 Ausbildungsplätze unbesetzt, gleichzeitig blieben 1.169 Ausbildungsplatzbewerber unversorgt.

Ziele

Die Partner des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses halten auch in den kommenden Jahren an folgenden Zielen fest,

  • alle betrieblichen Ausbildungsplätze zu besetzen,
  • jeder Ausbildungsbewerberin und jedem Ausbildungsbewerber mindestens ein Ausbildungsangebot zu unterbreiten und
  • die berufliche Handlungsfähigkeit (erfolgreicher Prüfungsabschluss und anschließend erfolgreicher Einstieg in Beschäftigung) aller Auszubildenden sicher zu stellen und weiter zu entwickeln.

Die Partner des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses halten daran fest, den Zielwert von jährlich 10.000 neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträgen zu erreichen.

Arbeitsschwerpunkte

Zur Zielerreichung setzen sich die Partner folgende Arbeitsschwerpunkte:

  • Berufs- und Studienorientierung

Der Berufswahlpass, die Potenzialanalyse, das Praxislernen in Ausbildungsbetrieben und die Berufsorientierung in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten, die Zusammenarbeit zwischen allgemeinbildenden Schulen, den Beratungsfachkräften der Agenturen für Arbeit und den berufsbildenden Schulen sind wichtige Instrumente für eine systematische Berufs- und Studienorientierung. Bewährte Partnerinnen und Partner dabei sind das „Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft für Brandenburg e.V.“ sowie die regionalen Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT. Die Partner werden ihre Arbeit in diesem Handlungsfeld intensivieren, um die Entscheidung für Ausbildung oder Studium mit individuellen Interessen und Fähigkeiten in Einklang zu bringen und die Zahl der Schul-, Ausbildungs- und Studienabbrecher zu senken. Die Partner halten insbesondere an dem Ziel fest, mehr junge Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen.

Die Partner wollen insbesondere an der gymnasialen Oberstufe die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern für die Möglichkeiten und die anschließenden Berufsperspektiven nach einem dualen Studium oder nach einer dualen Berufsausbildung aufschließen.

Praktika für Schülerinnen und Schüler in Betrieben und Ferienjobs sind geeignete Gelegenheiten für junge Menschen, Berufe und betriebliche Abläufe kennenzulernen.
Kooperationen von Schule und Wirtschaft können dazu beitragen, die Zahl der Praktikumsplätze in den Betrieben und die Qualität der betrieblichen Praktika zu erhöhen. Praktikantinnen und Praktikanten sollen fachlich und pädagogisch begleitet werden. Betriebe können Praktika zum Aushängeschild für die betriebliche Berufsausbildung entwickeln.

  • Jugendberufsagenturen

Eine wichtige Funktion im Vermittlungsprozess haben die Jugendberufsagenturen beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in Ausbildung oder Studium. Die Partner des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses unterstützen vor Ort die Arbeit der Jugendberufsagenturen und die Arbeit der dort Beschäftigten mit deren Zielgruppen. Sie werden die Beispiele guter Praxis mit verbreiten. Soweit vorhanden, gilt dies auch für vergleichbare regionale Kooperationsbündnisse mit zugelassenen kommunalen Trägern.

  • Unbesetzte betriebliche Ausbildungsstellen und unversorgte Bewerberinnen und Bewerber

Die Partner unterstützen die jungen Menschen bei der Vorbereitung auf eine betriebliche Ausbildung, indem sie über die Anforderungen der Betriebe an Fähigkeiten, Fertigkeiten und Schlüsselqualifikationen ihrer künftigen Auszubildenden informieren.

Altbewerberinnen und Altbewerber, Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher, Jugendliche mit abgebrochener Berufsausbildung und vermeintlich leistungsschwächere Jugendliche sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund und fremder Muttersprache sind wichtige Zielgruppen für die betriebliche Ausbildung.

Betriebe sowie Bewerberinnen und Bewerber werden durch die vielfältigen Förderprogramme sowie Beratungs- und Unterstützungsinstrumente der Bundesagentur für Arbeit, des Landes und der Kammern und Verbände unterstützt. Die Partner des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses tragen dazu bei, die vorgenannten Möglichkeiten und Instrumente aufeinander abzustimmen, zu bewerben und die Inanspruchnahme zu erhöhen.

  • Qualität und Attraktivität der betrieblichen Ausbildung

Eine gute Qualität der dualen Ausbildung trägt entscheidend zur passgerechten Qualifizierung des Fachkräftenachwuchses und zur Senkung der Zahl vorzeitiger Lösungen von Ausbildungsverträgen bei. Eine entscheidende Rolle spielt dabei gut qualifiziertes betriebliches Ausbildungspersonal.

Erfolgreiche Ansätze zur Sicherung und Verbesserung der Ausbildungsqualität insbesondere in den kleinen und mittleren Betrieben sind die Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung, die Ausbildungsnetzwerke und die Überbetriebliche Ausbildung in der Landwirtschaft sowie die Verbundausbildung. Die Betriebe können mit einer angemessenen Ausbildungsvergütung und mit guten Ausbildungsrahmenbedingungen die Attraktivität ihres Ausbildungsplatzangebotes steigern.

Die jährliche Auszeichnung sehr guter Ausbildungsbetriebe mit dem Brandenburgischen Ausbildungspreis ist ein Marketinginstrument für duale Ausbildung im Land Brandenburg.

  • Gute Qualität und Zukunftsfähigkeit der beruflichen Schulen

Damit die beruflichen Schulen im Dualen System ihrer Funktion gerecht werden können, sind

  • eine zukunftsfähige Standortsicherung gemeinsam mit dem dualen Partner,
  • eine angemessene personelle und technische Ausstattung,
  • eine eigenständige Berufsschullehrerausbildung in Brandenburg und
  • ein erweitertes Fortbildungsangebot für Berufsschullehrerinnen und -lehrer erforderlich.
  • Mobilität und Unterbringung von Auszubildenden

Die Attraktivität und die erfolgreiche Absolvierung einer betrieblichen Ausbildung insbesondere in den ländlichen Räumen hängen nicht zuletzt von der Erreichbarkeit der verschiedenen Lernorte ab. Das Land Brandenburg setzt sich dafür ein, Fahrtwege und Fahrtzeiten zu den beruflichen Schulen kurz zu halten und die Mobilität von Auszubildenden zu fördern. Das Land wird gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit geeignete Lösungsansätze für eine bessere räumliche Mobilität erarbeiten.

  • Digitale und soziale Kompetenzen in der dualen Ausbildung

Mit der Digitalisierung der Wirtschaft wachsen die Anforderungen in der Arbeitswelt. Wirtschaft 4.0 / Arbeit 4.0 eröffnen Chancen für die Anreicherung der beruflichen Ausbildung bezogen auf Lerninhalte, Lernmethoden und Erwerb neuer Schlüsselqualifikationen. Im Rahmen der Förderung von Überbetrieblicher Lehrlingsunterweisung und Verbundausbildung sowie von beruflichen Schulen werden Zusatzqualifikationen für Auszubildende angeboten bzw. ausgebaut. Darüber hinaus sind entsprechende Weiterbildungsangebote für Ausbilderinnen und Ausbilder erforderlich.

  • Inklusive Ausbildung

Erforderlich ist die Verbesserung des Angebots betrieblicher Ausbildungsstellen für junge Menschen mit Behinderungen. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen unter Nutzung der zur Verfügung stehenden Instrumente der Agenturen für Arbeit und des Integrationsamtes an betriebliche Ausbildung herangeführt werden und zunehmend Ausbildung in Betrieben erfolgreich absolvieren. Die zuständigen Stellen stehen hier ausbildungswilligen jungen Menschen und Betrieben beratend und unterstützend zur Seite.

Die inklusive Beschulung von Auszubildenden und Rehabilitanden an den beruflichen Schulen erfolgt durch die Lehrkräfte, indem alle Schülerinnen und Schüler entsprechend der Bedarfe und Voraussetzungen individuell unterstützt und gefördert werden. Dazu muss die Fortbildung dieser Lehrkräfte ausgebaut werden.

  • Jugendliche mit Migrationshintergrund und Geflüchtete

Jugendliche mit Migrations- und Fluchthintergrund sind ein wichtiges Potenzial für die Fachkräftenachwuchssicherung in Brandenburg. Spracherwerb, Ausbildung und Beschäftigung sind Schlüsselinstrumente für ihre Integration in die Gesellschaft. Deshalb beziehen die Partner diese Personengruppen in die Ziele und Maßnahmen des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses ausdrücklich ein. Die Partner stellen den Zugang zu den in der Erklärung aufgeführten Maßnahmen sicher und erweitern bzw. modifizieren diese im Bedarfsfall, insbesondere in Bezug auf die für Ausbildung und Beschäftigung wichtigen sprachlichen und kulturellen Kompetenzen. Insbesondere mit Maßnahmen wie der Einstiegsqualifizierung kann der Grundstein für eine berufliche Ausbildung gelegt werden.

  • Begleitung der Umsetzung der Arbeitsschwerpunkte

Im Landesauschuss für Berufsbildung (LAB) erfolgt ein verbindlicher jährlicher Austausch zur Zielerreichung und zur Wirksamkeit der Vorhaben und Maßnahmen des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses, insbesondere im Hinblick auf die Stärkung der dualen Ausbildung im Land sowie zur Entwicklung von Verbesserungsmöglichkeiten, die dann unter Beteiligung aller Partner des Ausbildungskonsenses beraten und beschlossen werden.

Potsdam, 6. September 2018

Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg

Der Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport

Der Minister für Wirtschaft und Energie

Der Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft

Der Handwerkskammertag Land Brandenburg

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg

Der Landesverband Freier Berufe Land Brandenburg e.V.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Bezirk Berlin-Brandenburg

Die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit